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Wolmirstedter Kanu-Verein e.V.

19. October 2017 | Volksstimme

Kanu-Kinder geben alles für Verein

Die Wassersaison der Kanuten für dieses Jahr ist beendet, ein neuer Vierer-Canadier wurde gebracht und fünf Sparschweine sind geschlachtet. Auf den ersten Blick passen diese Ereignisse kein bisschen zusammen, doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sie sich als gemeinsamer Grund zur Freude für den Verein.

Wolmirstedt l Bei den Kanuten am Elbeuer Bootshaus war Schlachtetag angesagt. Fünf goldfarbene Plastiksparschweine steckten randvoll mit Scheinen und Münzen. Ihr letztes Stündlein hatte beim traditionellen Abpaddeln geschlagen, fünf Sparschweinleben wurden von den Kindern mit einem Hammer beendet. In den Plastikbäuchen hatten sich 1038 Euro angesammelt.
Dieses Geld haben die Kinder selbst erarbeitet, ausschließlich für die Vereinskasse. „Wir haben beim Osterfeuer am Bootshaus und auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Zentralen Platz Kuchen verkauft“, berichten Lenia Schröter und Larissa Tietz. Auch Maike Jakob hat mitgemacht und außerdem Flöte gespielt und wurde dafür mit Geld belohnt. Viele Kinder und Jugendliche des Kanuvereins haben Altpapier gesammelt und dafür Geld bekommen, ergänzt Hannes Vernunft die Varianten des Geldverdienens. Der Anstoß für diese Emsigkeit war von einem Unternehmer gekommen.
Thomas Rojahn betreibt in Wolmirstedt ein Dentallabor. Seine Firma hatte vor einem Jahr einen von elf handgeschriebenen Briefen bekommen. Die hatten die Kanu-Kinder an regionale Betriebe geschickt. In den Schreiben baten sie um Unterstützung für ein Vierer-Canadier. „Unterschrieben haben diesen Brief gefühlt tausend Kinder“, grinst Thomas Rojahn. Er war bereit, den Verein zu unterstützen, forderte die Kinder jedoch heraus, selbst mitzuhelfen. Er antwortete – ebenfalls handschriftlich – dass er dem Verein 1000 Euro geben werde, wenn die Kinder ebenfalls aktiv werden und mindestens diese Summe erarbeiten. Gefordert war ausdrücklich, dass das Geld wirklich verdient werden muss. Einfach bei Eltern oder Großeltern nachzufragen, galt nicht. „Manche haben die Familienautos geputzt und dafür ein paar Euro bekommen.“ Lutz Neumann vom Kanu-Verein weiß von solch innerfamiliären Verträgen.
Bis zum Schluss blieb es spannend, ob die geforderte Summe zusammengekommen war. Erst als nun das letzte Schwein zertrümmert und das Geld gezählt war, siegte die Freude. 1038 Euro – mehr als genug. Thomas Rojahn zeigte sich ebenfalls stolz auf die Kinder und auf die Leistung, die sie mit ihrer Arbeit jenseits des Mittellandkanals für ihren Verein erbracht haben. Er packt die versprochenen 1000 Euro drauf.
Wofür der Kanuverein Geld braucht? Für Boote zum Beispiel. Eines fuhr noch am selben Tag vor. Lutz Neumann hatte es von der Aufkleberwerkstatt geholt, der nagelneue Vierer-Canadier war dort verziert worden. Den hatten sich die Kinder lange gewünscht. „So einer lässt sich gut fahren“, weiß Kanu-Vereinsvorsitzender Swen Kleinau. In der kommenden Saison wollen die Mädchen und Jungen damit trainieren und zu Wettkämpfen antreten.
In dieser Saison ist das Training auf dem Wasser vorbei. Den Schlusspunkt setzte das traditionelle Abpaddeln. Dabei stiegen Eltern gemeinsam mit ihren Kindern in die Boote und traten auf dem Kanal zum Wettkampf gegeneinander an. Der Ehrgeiz blieb aus, es wurden lustige Paddelkämpfe, schließlich ging es um nichts, außer um das Zusammensein und den Abschluss des erfolgreichen Jahres. Das Wetter spielte an diesem Tag mit, die Sonne schien aus vollen Kräften vom Himmel, von Wolken zeigte sich keine Spur, am Ufer gab es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Die Erinnerung an diesen Tag können die Kanuten mit in den Winter nehmen. Während der kalten Zeit trainieren sie weiter, allerdings in der Halle. Erst im Frühjahr werden die Boote wieder zu Wasser gelassen.

 

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